20. Unterwegs

Sonntag, 1. November.  An diesem prächtigen Herbsttag wollte ich nicht in eine Kirche sitzen, sondern meinen "Gottesdienst" im Freien geniessen.  Um 9.20h ging ich an die Bushaltestelle wo die Ruscheiner Landstrasse beginnt und machte Autostopp.  Gar nicht lange musste ich warten, da hielt ein älterer, dick- er Herr an und liess mich mitfahren bis zur Kirche Ladir hinauf:

Da oben war ich früher schon oft und begann Wanderungen um den Ladirer Berg.  So verabschiedete ich mich dankend vom Autofahrer und marschierte los gegen Osten auf der "Senda Surselva", dem Wander- weg auf der Sonnenseite des Vorderrheintales, von wo man sehr schön in das untere Vorderrheintal hin- unter sieht  bis Chur, wie hier auf diesem Bild:

Bei einer Strassenverzweigung nahm ich den unteren Weg, was sich bald als falsch erwies, denn nach etwa einem Kilometer hörte die Strasse auf und mündete in einen schmalen Waldweg.  Nun dachte ich, dass ich so zur Alp Muota hinauf kommen werde, aber der Jägerweg wurde immer schmäler und steiler bis es durch den Wald hinauf so steil und unwegsam wurde, dass ich bei den Bäumen gefährliche Äste abbrechen musste um zu verhindern, dass einem so ein spitzer Ast das Auge aussticht.

Und es wurde noch steiler eine Böschung hinauf, so dass ich in einem Bachbett hinauf steigen musste, wo ich mit den Schuhen noch Halt fand, denn die Böschung war zu rutschig und ich wollte doch vermei- den zu stürzen und zu verunfallen, so ganz allein.

Schlussendlich nach bald einer Stunde wurde es mir wirklich unwohl und ich fragte meine Schutzengel "was tun nun ?" Sie meinten ich solle noch ein Stück weiter hinauf, dann komme ein gangbarer Weg.   Also dann weiter hinauf gekämpft mit einer Rast alle zwei Minuten.  Und siehe da:  Ich komme auf einen Holzfällerweg, der schon passabler ist.  Noch eine Rast und dann noch etwa 30 Meter weiter hinauf und ich bin auf einer Waldstrasse.  Jetzt wurde es mir wohler, aber ich wusste trotzdem nicht wo ich mich ge- nau befand.  Immerhin kam ich zu einem Wegweiser auf dem stand:  "Alp Muota"

Also genau wo ich eigentlich hin wollte.  Aber die Strasse war steil und anstrengend, so dass ich weiter alle zwei Minuten einen Halt machte, mich auf einen moosigen Stein oder Baumstamm setzte und aus- schnaufte bis mein Herz wieder normal schlug.  

Aber aufgepasst wo man sich hinsetzt, denn auf der Alp gibt es auch Distelpflanzen, die sich dort aus- breiten:

Ich legte mich dann einmal in der schön wärmenden Nachmittagssonne ins dürre Gras ( ohne Disteln ! ) und döste ein Weile dahin bis ich wieder fit zum weiter marschieren war.

Mitten auf der Strasse war ein grosser Sprung im Asphalt, wo sich aber ein Grasbüschel standhaft Platz schaffte.  Erstaunlich wie sich Gras mit so wenig Lebensraum trotzdem durchsetzen kann !

Und so schaffte ich es doch noch bis auf die Alp Muota hinauf, wo man eine wunderschöne Rundsicht in  die Berge hat.  Hier ein Blick gegen Südosten:

Gegen Westen sieht man in die obere Surselva hinunter:

Und von dort aus geht die Strasse auf der anderen Seite der Alp Muota wieder hinunter gegen Ladir.

Der steile Aufstieg hat aber an meinem rechten Bergschuh die Laufsohle vorne abgelöst, was beim Geh- en recht störend wirkte.  Nun habe ich die Sohle mit dem soliden Schuhbändel fixiert und konnte wieder flüssiger marschieren.   Aber jetzt ist es wirklich Zeit, dass ich endlich genügend Geld haben werde um neue Schuhe besorgen zu können, denn alle meine Schuhe sind durchgelaufen nach mehr als tausend Kilometern Marsch.

Gegen 15h erreichte ich wieder Ladir und marschierte weiter hinunter gegen Ruschein.  Da begegnet mir ein Autofahrer, den ich fragte ob ich mit ihm ins Tal hinunter mitfahren darf, was er gerne erlaubte.  So konnte ich meine schon fast sechsstündige Wanderung beenden und bequem zu Tale fahren.

Zurück in meiner Mansarde habe ich mir dann eine Mahlzeit zubereitet, soweit dies ohne Küche möglich ist und viel Süssmost getrunken um den Durst zu löschen.  Ich hatte ja kein Mittagessen, nur ein paar Schlucke Wasser an einem Brunnen in Ladir.

Anschliessend setzte ich mich wieder an den Computer um die Bilder von der Kamera hinauf zu laden und zu bearbeiten für eine neue Seite in meinem Web.  Und dies ist sie nun. 

Herzlichen Gruss und alles Gute !   Thyl STEINEMANN

<<<<<< O >>>>>>

> Nächste Webseite